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Geschichte

Die Wurzeln

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Am Anfang steht eine Erinnerung - die Erinnerung, die Henry Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes, über die Schlacht von Solferino (1859) im Jahre 1862 niedergeschrieben hat:

Henry Dunant (1828-1910), Gründer des Roten Kreuzes

"Gibt es während einer Zeit der Ruhe und des Friedens kein Mittel, um Hilfsorganisationen zu gründen, deren Ziel es sein müsste, die Verwundeten in Kriegszeiten durch begeisterte, aufopfernde Freiwillige, die für ein solches Werk besonders geeignet sind, pflegen zu lassen? Diese Gesellschaften würden in Seuchenzeiten, bei Überschwemmungen sehr wichtige Dienste leisten können. ... Daher muss man einen Aufruf erlassen, eine Bittschaft an Männer aller Länder und Stände, an die Mächtigen dieser Welt wie an die einfachen Handwerker, denn alle können auf die eine oder andere Weise, jeder in seinem Kreise und seiner Kraft gemäß, irgend etwas zu diesem guten Werke beitragen. Ein solcher Aufruf müsste sich gleichermaßen an Frauen und Männer wenden, an die Prinzessin zu den Stufen des Thrones ebenso wie an das einfache Dienstmädchen, das als Waise aufgewachsen in ihrer niederen Arbeit aufgeht, oder an die arme Witwe, die niemanden mehr hat in der Welt und ihre letzte Kraft dem Wohle des Nächsten opfern will. ...

Der sittliche Gedanke, dass das menschliche Leben wertvoll sei, der Wunsch, die Qualen so vieler Unglücklicher auch nur ein wenig zu lindern oder ihnen den verlorenen Mut wiederzugeben, die angespannte und unablässige Tätigkeit, die man sich in solchen Augenblicken zur Pflicht macht, all dies ruft eine neue, äußerste Tatkraft hervor, welche den unwiderstehlichen Drang erzeugt, so vielen Menschen wie irgend möglich zu helfen".

Diesem Aufruf Dunants folgend veranlasste das "Zentral-Komitee der Deutschen Vereine zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger" in Berlin den Hamburger Kriegerverband, eine freiwillige Sanitätskolonne zu gründen. So wurde am 26. Januar 1884 die Hamburger Colonne vom Rothen Kreuz mit 27 Mitgliedern ins Leben gerufen - die erste Rotkreuzgruppierung mit aktiven Mitgliedern im damaligen Hamburg, nachdem sich bereits im Februar 1864 ein "Komitee zur Pflege von Verwundeten und Kranken" in Hamburg konstituiert hatte.

Erste-Hilfe-Ausbildung

Der Jahresbericht des Arbeitgeberverbandes für das Jahr 1900 vermerkt hierzu Folgendes: "Schon in unserem vorjährigen Bericht erwähnten wir, daß die hiesige Kolonne des Roten Kreuzes die Ausübung ihres Sanitätsdienstes auch auf Betriebs- und Verkehrsunfälle im Frieden ausdehnt und für Arbeiter und Angestellte Unterrichtsstunden zur Erlernung der dazu notwendigen Kenntnisse und Handgriffe eingerichtet hatte. Da wir überzeugt sind, daß die angedeuteten Bestrebungen für die Wohlfahrt der arbeitenden Klasse und die Förderung des gewerblichen Lebens von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind, haben wir nicht Anstand genommen, sowohl den Besuch dieser Unterrichtsstunden als auch die Erhöhung des Beitrages für diejenigen Arbeitgeber zu empfehlen, welche Arbeiter zur Ausbildung im Samariterdienst der Kolonne überweisen".

Im Jahre 1901 wurde der erste Samariterkurs für Damen mit den Bestandteilen der Ersten-Hilfe-Leistung und einigen Kapiteln über Hygiene und Krankenpflege mit 57 Teilnehmerinnen abgehalten. Zudem wurden ab dem Jahre 1909 auf Wunsch der Oberschulbehörde Schülerkurse für Schüler der 1. Klasse der höheren Lehranstalten angeboten.

Öffentlicher Sanitätsdienst

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Die Kolonne hatte sich der Königlichen Eisenbahndirektion Altona gegenüber verpflichtet, bei Eisenbahnunglücken für den Sanitätszug die erforderlichen Mannschaften zu stellen.

Bei Tage war die Einsatzbereitschaft innerhalb einer halben, bei Nacht innerhalb einer Dreiviertelstunde herzustellen. Zu diesem Zwecke wurde seinerzeit mit der Polizeibehörde und der Hauptfeuerwache vereinbart, daß die Hauptfeuerwache die eintreffende Alarmnachricht - Rotes Kreuz-Alarm - sogleich als Zirkular-Depesche an sämtliche Polizeiwachen weiterzugeben, diese ihrerseits die in ihrem Wachbereich wohnenden Kolonnenmitglieder bei Nacht und Tag telefonisch oder durch Beamte so schnell wie möglich zu benachrichtigen hatten. Dafür lagen auf allen Polizeiwachen Karten (weiße für den Tag, rote für die Nacht) für die im Wachbereich wohnenden Kolonnenmitglieder, die seit 1902 nach ihrem Wohnort in den Einheiten zusammengefasst waren. Um möglichst schnell zum Hauptbahnhof gelangen zu können, hatte die Kolonne mit der Straßen- und Hochbahn sowie mit der Vorortbahn die Abrede getroffen, dass alle mit Alarmkarten versehenen Kolonnenmitglieder auf allen ihren Beförderungsmitteln kostenlos zu befördern seien. Die Arbeitgeber hatten sich ferner bereit erklärt, die bei ihnen beschäftigten Mitglieder der Kolonne in solchen Fällen ohne Kürzung des Lohnes freizugeben. Abgesehen von drei tatsächlichen Einsätzen fanden jährlich zwei entsprechende Alarm-Übungen statt. Diese Regelung funktionierte bis 1923, als die Polizeibehörde sich nicht mehr in der Lage sah, genügend Beamte für das Austragen der Alarmkarten bei Tag und Nacht bereitzuhalten.

Im Katastrophenfall

In der Nacht vom 23. zum 24. Januar 1904 wurde die zwischen Bergen und dem Nordkap gelegene Stadt Aalesund in Norwegen durch ein Feuer völlig zerstört. In Zusammenarbeit mit den anderen Rotkreuz-Organisationen in Hamburg konnte innerhalb von 12 Stunden der Dampfer "Phoenicia" mit Proviant für 5.000 Personen, auf 8 Tage berechnet, 2.000 Matratzen, 5.000 Wolldecken, 3 kompletten Schiffsapotheken, 5 fertigen Holzbaracken sowie weiterem notwendigen Material ausgestattet und auf die Reise geschickt werden. Leiter der Expedition war der Zugführer Behnke von der Hamburger Kolonne vom Roten Kreuz. Am 6. Februar traf die "Phoenicia" wieder in Hamburg ein, nachdem in Norwegen 9.598 Personen verpflegt und für 1.890 eine Schlafstätte geschaffen worden war. Schon bei der Choleraepidemie in Hamburg 1892 war der größte Teil der Kolonnenmitglieder über mehrere Monate im Einsatz.

Übungen

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Die intensive Ausbildungstätigkeit zeigt ein Auszug aus dem Kolonnenbericht für das Jahr 1905: "Für die alten Mannschaften fanden 17 Übungen statt, davon 8 im Kolonnenhause unter Leitung der Herren Dr. Goldzieher und Laudi - an einer beteiligten sich auch die Reserve-Mannschaften - und 9 im Freien und zwar:

Am 7. Mai im Anschluss an die Prüfung der neu ausgebildeten Mannschaften eine Land- und Wasserübung am Kaiser-Wilhelmshöft, bestehend in Eisenbahn- und Schuteneinrichtungen mit Umladungen

Am 28. Mai im Verein mit der Abteilung Cuxhaven eine Festungsübung im Fort Kugelbake, bestehend im Aufsuchen und Verbinden der Verwundeten im Fort, Verladen derselben auf einen Lazarettzug, Fahrt zum Hafen und Umladung auf die als Lazarettschiff eingerichtet ‚Hansa'.

Am 4. Juni im Verein mit der Wansbeker Sanitäts-Kolonne eine Landübung in der Helbingschen Fabrik, bestehend im Aufsuchen Verwundeter im Gelände, Herunterschaffen Gefährdeter und Verwundeter aus dem brennenden (Annahme!) Fabrikgelände, Bau eines Floßes und Transport der Verwundeten über die Wandse

Am 25. Juli eine Marsch- und Exerzierübung auf dem Bahrenfelder Exerzierplatz.

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Am 15. und 16. Juli ein Nachtmarsch von insgesamt 40 km und eine Nachtübung bei Egenbüttel und Kummerfeld, bestehend in Aufsuchen von Verwundeten mit Hilfe von Laternen, Abkochen, Biwak und Aufschlagen von Zelten, woran sich auch die Barmbeker und Bergedorfer Abteilung sowie die Pinneberger Sanitätskolonne beteiligten

Am 13. August eine Improvisationsübung Gelände von Hausbruch, bestehend in Herstellung von Tragen und Herrichtung eines Leiterwagens zum Verwundetentransport

Am 27. August eine Übung mit dem neuen Ambulanzwagen der Firma Rich. Faulmann & Co. auf dem Heiligengeistfeld

Am 17. September eine Eisenbahnübung auf dem Sternschanzenbahnhof, bestehend in Einrichtung von Eisenbahnwagen und Verladen der Verwundeten, verbunden mit nochmaliger Vorführung des neuen Ambulanzwagens
Die für den 8. Oktober angesetzte Hafenübung im Kuhwärderhafen konnte nicht ausgeführt werden, weil die ‚Hansa' nicht zur Stelle war. Es fand deshalb eine Besichtigung der neuen Häfen statt".

Der tägliche Dienst

Auch hier ein Auszug aus einem Kolonnenbericht, diesmal für das Jahr 1913:

"Wir stellten nicht weniger als 48 Sanitätswachen, bei denen 24 mal die erste Hilfe geleistet wurde. ...

Außerdem übernahm die Kolonne den Sanitätsdienst auf dem Kinderspielplatz am Köhlbrand, vom 23. Juni bis 15. August. ... Im ganzen wurde während dieser Zeit 504 mal Hilfe geleistet.

Es verging fast kein Tag ohne Unfall, an manchen Tagen kamen bis zu 42 Hilfeleistungen vor. In 9 Fällen mußte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, die übrigen Unfälle waren weniger erheblich. Die meisten Verletzungen kamen an Füßen und Beinen vor, wohl eine Folge der vielen am Spielplatz herumliegenden zerbrochenen Flaschen. ...

Schließlich übernahmen wir auch den gesamten Sanitätsdienst bei der Märzfeier am 24. März. ...

Die Hauptkolonne versah den Dienst auf den 12 Unfallstationen und den Straßendienst auf der Lombardsbrücke mit 13 Chargierten und 83 Mann".

Im Ersten Weltkrieg

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges zählte die Kolonne zweihundert Aktive. Vom Tage der Mobilmachung an wurde der Kolonne eine neu zu bewältigende Aufgabe gestellt: auf dem Hamburger Hauptbahnhof wurde eine Sanitätswache eingerichtet, in der von nun an in drei Schichten Tag und Nacht 6 Helfer ihren Dienst zu versehen hatten.

Erstmals waren Aufgaben gemäß der Genfer Konvention von 1864 im Heimatland zu erfüllen. Zu diesen Aufgaben gehörte die Einrichtung eines Marinelazaretts auf der Veddel mit tatkräftiger Unterstützung durch die Kolonnen Altona, Wandsbek und Wilhelmsburg sowie die Übernahme der Verpflichtung, auf erstes Anfordern 100 Leute zur Überführung von Verwundeten der Hochseeflotte das Marinelazarett bereitzustellen. Bereits 1914 sollten sich die zahlreichen Wasserübungen bewähren, als im August und Dezember Leicht- und Schwerkranke mit dem Schiff aus Wilhelmshaven eintrafen. Für den Abtransport der in Hamburg mit Lazarettzügen eintreffenden Kranken und Verwundeten stand der Kolonne eine Anzahl von Kraftwagen zur Verfügung, mit deren Hilfe allein im Jahre 1914 insgesamt 13.210 Verwundete befördert wurden.

Im Jahre 1915 war die Zahl der zu betreuenden Kranken und Verwundeten bereits auf über 33.000 angestiegen. Kolonnenmitglieder waren zudem bei 30 Verwundetentransporten zwischsen Brüssel und Königsberg eingesetzt und sie begleiteten seit Kriegsbeginn Liebesgaben-Transporte nach Polen, Serbien und Frankreich.

Die ersten einsetzenden Flüchtlingsströme aus Belgien, Ostpreußen und anderen Gebieten stellten die Kolonne wiederum vor neue Aufgaben. Im Johanniskloster am Klosterwall wurde den Flüchtlingen erst einmal ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen gegeben.

Im folgenden Jahr (1916) wurde auf Bestreben einzelner Angehöriger der Bergedorfer Abteilung der Kolonne ein Ausschuss zur Unterstützung kriegsgefangener Deutscher ins Leben gerufen; in diesem Ausschuss nahm auch die Suchdiensttätigkeit im Hamburger Roten Kreuz ihren Anfang, hier begannen die ersten Nachforschungen über den Verbleib von Vermissten.
Trotz der enormen kriegsbedingten Anstrengungen versah die Kolonne selbst im Kriegsjahr 1917 ihren täglichen Dienst bei zahlreichen Veranstaltungen. Dazu gehörten die Wachen auf der Trabrennbahn in Farmsen, am Sportplatz Rotherbaum, bei zahlreichen Sportfesten und auf dem Kinderspielplatz Köhlbrand ebenso wie der Sanitätsdienst bei Kirchenkonzerten in der St. Petrikirche und bei Theatervorstellungen im Hansa-Theater.

Zwischen den Kriegen: Neue Aufgaben - Neue Einsatzmittel

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Auszug aus dem Jahresbericht 1928:

"Die Friedensaufgaben des Roten Kreuzes haben sich bedeutend erweitert. Es sind dies vor allem: die Linderung der Kriegsfolgen, alle Arbeitsgebiete, deren Zweck die Verhütung, Bekämpfung und Linderung gesundheitlicher, wirtschaftlicher und sittlicher Not bildet, Hilfe bei besonderen Notständen, amtlicher Sanitätsdienst.

Welche Arbeit erwächst nun unserer Kolonne aus diesen bedeutenden Aufgaben des Roten Kreuzes? Die Gefahrenmöglichkeiten durch das ungeheure Anwachsen des gesamten Verkehrs, nicht nur auf der Erde, sondern auch des Luftverkehrs, durch Fortschritte der Technik, durch die ausgebreitete Benutzung des elektrischen Stromes und, wie sich bei dem Phosgenunglück in Wilhelmsburg gezeigt hat, auch durch die Herstellung giftiger Gase bei den vielen Gasrohrbrüchen in verschiedenen Städten haben sich vermehrt. Das Werkzeug des Sanitätsmannes wird immer umfangreicher".

Reichspräsidentenwahl 1932

Um die Einsatzbereitschaft zu verbessern, wurde Ende der 20er Jahre eine Radfahrer-Abteilung gegründet. Die Übungen des Jahres 1930 vermerken hierüber eine nicht unwesentliche Verkürzung der Anfahrtzeit und damit schnellere Möglichkeit der Hilfeleistung.

Als neuer Ausbildungszweig wurde im Jahre 1925 die Ausbildung im Rettungsschwimmen aufgenommen.

Vom 14. bis 16. Februar 1930 fand im Kolonnenhaus in der Sedanstraße 25 die erste Ausbildung für Kolonnenführer statt, an der mit 51 Teilnehmern Zugführer und Zugführerstellvertreter aus allen Kolonnen Hamburgs und Bremens teilnahmen.

Ende 1931 wurde in Zusammenarbeit mit dem 'Klub für rauhhaarige Terrier' ein Sanitätshundetrupp ins Leben gerufen.

Ebenfalls im Jahre 1931 wurde ein Gasschutztrupp, bestehend aus einem Arzt, zwei Chargierten und 14 Mann aufgestellt, dessen Mitgliederzahl sich bis 1934 mehr als verdoppelt hatte.

Aus dem Jahresbericht 1930: "Die Improvisations-Abteilung berichtet von sich selbst, daß sie im Laufe des Jahres 54 mal zusammengetreten ist, teils um sich in praktischen Übungen zu vervollständigen, teils um notwendige Arbeiten, Reparaturen und Neuanfertigungen zu erledigen. An praktischen Übungen wurden die Kameraden in der Anfertigung von Strohmatten, im Spleißen von Tauen und im Herstellen verschiedener Knoten unterwiesen. Die Herrichtung des Zeltes wurde gründlich geübt, so daß wir jetzt über ein gut geschultes Zeltkommando verfügen". Bei dieser Abteilung handelte es sich um eine Art technischer Einheit.

Im zweiten Weltkrieg

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Die Aufgaben des DRK wurden in der NS-Zeit allein auf die Tätigkeit als nationale Hilfsorganisation beschränkt. Für die Kreisstelle 2, den Kern der ehemaligen Hamburger Kolonne vom Roten Kreuz, änderte sich viel in der Struktur, aber nur wenig in der Aufgabenstellung.

In einer während des Krieges von der für die Kreisstelle 2 zuständigen Landesstelle X herausgegebenen Schrift unter dem Titel "Kriegsarbeit im Deutschen Roten Kreuz" heißt es dazu:

"Von den etwa 10.000 DRK-Helfern im Bereich der Landesstelle X sind fast die Hälfte sowie Hunderte von DRK-Ärzten im Sanitätsdienst der Wehrmacht eingesetzt und leisten dort mit den in ihren Bereitschaften in langen Jahren gesammelten Erfahrungen wertvollen Dienst am Kameraden. ... In Hamburg ist eine kasernierte männliche Bereitschaft zur besonderen Verwendung aufgestellt, die für Katastrophenschutz, zum Verwundetentransport mit Lazarettzügen oder Lazarettschiffen sowie zur Mithilfe im Truppenverpflegungs- und Erfrischungsdienst zur Verfügung steht. Angegliedert an die Bereitschaft z.b.V. ist eine Sanitätskraftwagenstaffel, die zur Unterstützung des offiziellen Unfalldienstes dient. ...

Aber auch bei großen Massenveranstaltungen, großen Aufmärschen, auf Sportplätzen und in Theatern sind die Helfer des DRK stets zur Stelle. ...
Die Hauptaufgabe der weiblichen Bereitschaften im Kriege ist die Gestellung von Schwesternhelferinnen. ...

Im jetzigen Kriege sind Hunderte von Schwesternhelferinnen in den Lazaretten der Wehrmacht und der Kriegsmarine ... eingesetzt worden. ...

Den Krankenhäusern in der Heimat wurde eine große Menge an Schwesternhelferinnen zur Verfügung gestellt, um die Lücken, die durch die Heranziehung der staatlich geprüften Schwestern zum Heeresdienst entstanden sind, aufzufüllen. ... Die Landesstelle X hat etliche Verpflegungseinheiten für die besetzten Gebiete aufgestellt. Auf den Durchgangsbahnhöfen stehen diese Helferinnen Tag und Nacht bereit, die durchfahrenden Truppen mit einem warmen Essen, das von ihnen selbst zubereitet wird, oder Kaffee zu stärken, während in der Heimat an allen großen Bahnhöfen Helferinnen tätig sind, Verpflegungsdienst auf den Heimatbahnhöfen durchzuführen. Hier haben sie nebenbei auch die Aufgabe, durchreisende Zivilpersonen zu betreuen, die erkrankt sind, oder sich unterwegs eine Verletzung zugezogen haben. ...

Eine besondere Leistung vollbrachte das Deutsche Rote Kreuz bei der Umsiedlung der Deutschen, die in das Reich zurückkehrten. In den Lagern, in den Gesundheitsstellen, in der Krankenpflege, überall wurden die Helferinnen eingesetzt. ...

Gern leisten die DRK-Kräfte dem Ruf Folge, Kindertransporte die Erholungsgebiete zu begleiten und, falls es notwendig wird, die Erste Hilfe zu leisten. ...

Die Mitgliedschaft in den Bereitschaften des Deutschen Roten Kreuzes ist freiwillig."

Der Neuanfang nach dem Krieg

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Viele Helferinnen und Helfer waren im Kriegseinsatz umgekommen; sowohl an der Front als auch bei den Bombenangriffen auf Hamburg im Juli 1943 haben sie ihr Leben lassen müssen. Andererseits kamen neue Helfer aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und anderen Teilen des Deutschen Reiches nach Hamburg, um sich auch hier sogleich wieder in den Dienst des Roten Kreuzes zu stellen. In den ersten beiden Nachkriegsjahren konnte die Arbeit nur unter besonders erschwerten Bedingungen in vorläufigen Unterkünften weitergeführt werden. Erst 1947 hoben die britischen Besatzungsbehörden die Beschlagnahme des Kreisverbandshauses der Sedanstraße wieder auf, so dass das kriegsbeschädigte Haus von den Helferinnen und Helfern wiederhergestellt werden konnte, um hier die Arbeit im erforderlichen Umfang wieder aufzunehmen.

Am 14. September 1948 erfolgte die Neugründung des Vereins unter dem Namen DRK-Kreisverband Hamburg-West e.V.

Die große Flut

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Foto: DRK

In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 brach über Hamburg die Flutkatastrophe herein. Hunderte von Bewohnern mussten aus den Flutgebieten evakuiert, in Notunterkünfte gebracht und versorgt werden.

Die Einheiten des Kreisverbandes - damals noch für den Hafen und Finkenwerder zuständig - errichteten bereits in der Nacht in der Verwaltungsschule Michaelisstraße eine Notunterkunft, ohne jedoch zu ahnen, dass diese gegen 6.00 Uhr morgens mit 400 Personen bereits hoffnungslos überfüllt sein würde. Nachdem sich die Einrichtung des DRK erst einmal herumgesprochen hatte, ließ der Ansturm nicht nach. Gegen 9.00 Uhr war auch die mit 350 Personen belegte benachbarte katholische Gemeindeschule nicht weiter aufnahmefähig. Alle weiteren Ankommenden wurden an die Jugendherberge Stintfang und den Gemeindesaal der Michaeliskirche verwiesen. Die Schlafstellen wurden mit Hilfe von Stroh aus dem Polizeidepot und vom Schlachthof sowie Hunderten von Wolldecken notdürftig hergerichtet. Die Verpflegung übernahm zunächst die Bundeswehr, später das Hafenkrankenhaus.

Im Kreisverbandshaus in der Sedanstraße war mittlerweile eine Bekleidungs- und Betreuungsstelle eingerichtet worden. Eine kaum übersehbare Menge an Sachspenden musste entgegengenommen werden. Bis zum 23. März waren hier Helferinnen im Einsatz, um über 1.000 Personen einzukleiden. "Nach einigen Tagen standen kleine Einkaufswagen von der 'Produktion' zur Verfügung; es sah nun bei uns im Kreisverbandshaus nach einem echten Selbstbedienungsladen aus."

Jedoch auch vor Ort musste die Bevölkerung versorgt werden. In Fünfhausen und Kirchdorf waren allein am 19. Februar 680 Personen mit Bekleidung und Verpflegung zu versorgen. Weitere Bekleidungstransporte gingen nach Wilhelmsburg, Waltershof und Finkenwerder. Im sanitätsmäßigen Einsatz war der Kreisverband in erster Linie am Hubschrauber-Landeplatz Jenischpark für die dort angeflogenen Flutgeschädigten tätig.

Schwerpunkt Sanitätsdienst

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Vom Kreisverband waren besonders in den 60er Jahren vor der Gebietsreform 1971 zeitweilig bis zu sechs Unfallhilfsstellen ständig und gleichzeitig zu besetzen. Besonderen Einsatz erforderte die "Internationale Gartenbau-Ausstellung" (IGA) in den Jahren 1963 und 1973.

Täglich waren sowohl auf dem Kinderspielplatz Planten un Blomen als auch auf der Rollschuhbahn und im Winter auf der Kunsteisbahn den Wallanlagen Helferinnen und Helfer von 9.00 bis 21.00 Uhr im Einsatz. Bei Sonderveranstaltungen musste zudem die Sanitätswache in der Ernst-Merck-Halle besetzt werden.

Während der Volksfeste auf dem Heiligengeistfeld, dem Hamburger Dom, waren Helfer der Bereitschaft Hafen täglich bereit, kleinere und größere Verletzungen zu versorgen; heute wird dieser Dienst vom Kreisverband Hamburg-Mitte wahrgenommen. Daneben unterhielt der Kreisverband je eine Sanitätswache an den Landungsbrücken und im Sommerbad Kaiser-Friedrich-Ufer.

Die Dienste wurden fast ausschließlich von Ehrenamtlichen versehen, nur auf der Unfallhilfsstelle Landungsbrücken waren hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingesetzt.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass neben diesen ständigen Sanitätsdiensten zahlreiche Einsätze bei Volksfesten wie dem Alsterlauf, bei Demonstrationen, in Sporthallen und auf Sportplätzen, bei Veranstaltungen des Norddeutschen Rundfunks in der Rothenbaumchaussee sowie bei Kinder- und Schulfesten zu bewältigen waren.

Mitte der sechziger Jahre stieg der Kreisverband mit seinem ersten eigenen Krankentransportwagen in die ehrenamtliche Krankenbeförderung ein.

Wohlfahrts- und Jugendarbeit

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Die NS-Zeit hatte zwar die alte Tradition in der Wohlfahrtsarbeit des Roten Kreuzes und das Aufkeimen des Jugendrotkreuzes in Deutschland unterbrechen, nicht jedoch zerstören können.

Das Jugendrotkreuz, 1933 auch bei der Hamburger Kolonne vom Roten Kreuz ins Leben gerufen und schon unmittelbar danach in die Hitler-Jugend eingegliedert, wurde 1950 im Kreisverband Hamburg-West wiedergegründet.

Auch in die Wohlfahrtsarbeit, die früher im Roten Kreuz von den Vaterländischen Frauenvereinen wahrgenommen worden war, stieg der Kreisverband ein. Anfang der fünfziger Jahre, 1954, als es sich besonders unter den älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern viele noch nicht leisten konnten, im Winter den ganzen Tag über die Wohnung zu heizen, richtete der Kreisverband auf Anregung seiner Jugendrotkreuz-Mädchengruppe im alten Kolonnenhaus in der Sedanstraße eine Wärmehalle ein. Hier konnten die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger zusammenkommen, um zu klönen, Karten zu spielen und - dank genügender Sachspenden - heißen Tee und Bohnenkaffee trinken. Im Jahresbericht 1957 heißt es dazu: "Ja, alle unsere 'Wärmesuchenden' waren bei uns glücklich und zufrieden und zeigten dies beim Abschied dadurch, daß ein 'Abgesandter' im Namen aller einen Blumentopf überreichte. ... Diese Hilfe gibt Freude und schafft Freude!"

Auch die Kleiderkammer kann auf eine über 40-jährige Kontinuität zurückblicken, selbst wenn es sich zunächst nur um einzelne Ausgaben handelte: "Eine große Freude löste die Verteilung von neuen, gespendeten Unterröcken aus. Wie höchstwillkommen diese waren, zeigte eine der damit bedachten Frauen, indem sie gleich an Ort und Stelle in das begehrte Kleidungsstück hineinschlüpfte" (Jahresbericht 1957).

Nachlese

Die Rotkreuzgeschichte des Kreisverbandes Eimsbüttel, die diese kleine Chronik widerspiegeln soll, wurde in erster Linie anhand von Fakten, Daten und Ereignissen dargestellt. Dabei beruht sie eigentlich auf der Geschichte und den Geschichten von Menschen, die geholfen haben, und von Menschen, denen geholfen wurde. Unzählige Helferinnen und Helfer sind diesem Verband ihr Leben lang treu geblieben. Dem Aufruf Henry Dunants folgend waren sie bemüht, der Sache und der Idee des Roten Kreuzes zu dienen. Manche haben im Dienst des Roten Kreuzes ihr Leben lassen müssen, viele Helfer im Ersten und Zweiten Weltkrieg an der Front und viele Helferinnen und mancher Jugendliche im Zweiten Weltkrieg bei den Angriffen auf Hamburg. Der Kreisverband, die alte Hamburger Kolonne vom Roten Kreuz, kann in seiner Geschichte sicherlich mehr auf schwierige als auf rosige Zeiten zurückblicken, aber er konnte alle Zeiten überstehen, da seine ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer immer mit Tatkraft und Durchhaltevermögen zu ihm gestanden haben.